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Der Park

Kurz zusammengefasst

Der Kurpark "Herrengarten" ist ein lebendig genutztes Kulturdenkmal und seit jeher ein Ort des Durchatmens und der Unterhaltung. Er beherbergt einen seltenen, Jahrhunderte alten Baumbestand, darunter eine als "champion tree" geltende Stechpalme (Ilex aquifolium), die direkt neben dem alten Parkeingang gegenüber der alten Post zu finden ist. Darüber hinaus beherbergt der Park neben vielen besonderen Gehölzen auch Mammutbäume und einen sehr alten Ginkgo. Wir wünschen viel Spaß beim flanieren im Braunfelser Kurpark "Herrengarten". Sie sind an genau dem richtigen Ort, um mal wieder tief durchzuatmen und zu entspannen.

Lieben Sie Bäume?

Wir auch. Und viele Bürger haben zusätzlich Baumpatenschaften abgeschlossen, weil sie den Park mit seinem alten Baumbestand so lieben! Die Patenschaften für Bäume im Kurpark Herrengarten werden von der Stadt Braunfels organisiert. Im Folgenden finden Sie einen Flyer der Stadt, wenn Sie Baumpate werden möchten und auch einen Übersichtsplan der Bäume und ihrer Paten. Sind Sie auch dabei?

> Übersicht der Patenbäume (Stand 25.01.2017)pdf-Datei1.81 MBdownload
> Baumpate im Herrengartenpdf-Datei2.54 MBdownload

Neu entdeckt: Eine alte "Gehölzliste"

Der Förderverein ist schon lange auf der Suche nach alten Gehölzlisten, um dem Park entsprechend seiner gewachsenen Historie eine angemessene Pflege zu geben. Vereinsmitglied Harald Griese hat eine Gehölzliste entdeckt und digitalisiert, die Fritz Tross offensichtlich mit viel Liebe zum Detail im Jahr 1951 erarbeitet hat. Angesichts der 400-jährigen Geschichte ist das nur ein kleiner Ausschnitt der Parkgeschichte, aber nichts desto trotz sehr interessant für Pflanzenliebhaber.

Es gibt historisch gewachsene Zonen mit Bäumen und Gehölzen aus ganz bestimmten Kontinenten dieser Erde. Dieses Prinzip im Landschaftsgarten ist sehr übersichtlich dargestellt in einem Plan von Udo Neumeyer (KuBus Freiraumplanung).

> Gehölze im Braunfelser Herrengarten (1951)pdf-Datei146 KBdownload
> Gehölzzonen im Kurpark Herrengartenpdf-Datei1.39 MBdownload

Herren- oder Herrngarten?

Zur Klärung eines gerne diskutierten Details

Der schöne Kupferstich zeigt eine alte Darstellung von Schloß Braunfels aus dem Jahr 1800. Ebenfalls zu sehen ist der Herrengarten – oder doch Herrngarten ohne „e“? Die Schreibweise des Namens im Buch Kulturdenkmäler in Hessen (1) vom Landesamt für Denkmalpflege lautet, wie auch auf einigen alten Karten, Herrngarten. Beim Landesamt für geschichtliche Landeskunde heißt der Park, so wie auch viele andere Orte (2) hingegen Herrengarten (3). „Herrengarten“ oder „Herrngarten“, was ist nun richtig? Die simple Antwort, wenn man sich einen Ausflug in die Gefilde der Sprachgeschichte und zum Wortstamm gönnt: Beide sind es. Sucht man nach hessischen Flur- und Straßennamen, so tauchen Herrengarten und Herrngarten gleichberechtigt auf (4), wobei Herrengarten der geläufigere Bergriff zu sein scheint. Bis ins späte 19. Jahrhundert gab es keine verbindlichen Rechtschreibregeln und (Zitat) „die Wissenschaftler und Literaten, die sich intensiv mit der deutschen Sprache befassten, hatten recht unterschiedliche Zielvorstellungen zur Rechtschreibung. Sie reichten von „Schreib, wie du sprichst!“ bis zu extrem historischer Schreibweise, beispielsweise Leffel statt Löffel“ (5). Der kleine Unterschied, der eigentlich keiner ist. Ab 1871 wurde der Ruf nach einer einheitlichen Rechtschreibung lauter. Die Einführung des preußischen Regelbuchs und Konrad Dudens Veröffentlichung des Vollständigen Orthographischen Wörterbuchs der deutschen Sprache im Jahr 1880 zogen die schriftsprachlichen Grenzen für alle enger. Grund genug, etwas mehr ins Detail zu gehen:

Nehmen wir den Klassiker von Jacob und Wilhelm Grimm, das Deutsche Wörterbuch, für digital natives gerne auch die digitalisierte Fassung der Universität Trier: Sucht man dort Herrn unter den Substantiven, so wird man nicht fündig, sehr wohl jedoch bei den Herren (6) und beim Herrenhaus. Herrn ist lediglich eine unverbindliche, umgangssprachlich genutzte Version von Herren und die Schreibweise auch dem regionalen Dialekt geschuldet. Sebastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) erklärt den Ursprung im Kulturblog „Zwiebelfisch“ (7) folgendermaßen: „Herrlich“ und „Herr“ gehen zurück auf das Adjektiv „hehr“, das im Althochdeutschen zunächst „grau(haarig)“ bedeutete und später die übertragene Bedeutung „ehrwürdig“ und „erhaben“ annahm. (…) so wurde auch der altdeutsche „hēr“ zu einer Anrede für Männer von Rang und Adel. Dabei entfernte er sich in Schreibung und Aussprache von seiner „hehren“ Abstammung.“ Es wird vermutet, dass es sich bei „der althochdeutschen Anrede wahrscheinlich um eine Lehnbedeutung für Höhergestellter, Ranghöchster handelt“ (8). „Herren“ und „Herrn“ stehen im Plural gleichberechtigt nebeneinander.
Gleichberechtigung. Man sollte an dieser Stelle einen Satz zur Genderfrage ergänzen: „Herrengarten“ bezeichnet den historischen Nutzungszweck des Parks als Garten der Herrschenden, der „Herrschaft“. Das macht eine genderbasierte Diskussion über den Parknamen sinnlos, es sei denn, man möchte sie gerne im dritten vorchristlichen Jahrtausend beginnen und sich über allgemeine soziale Entwicklungslinien in der Menschheitsgeschichte unterhalten. Dass im Herrenhaus auch Damen und Töchter der Herren lebten und alle gemeinsam im Familiengarten die Sommerfrische genossen haben, kann man voraussetzen – natürlich nur, wenn das zumeist zugegebenermaßen männliche Familienoberhaupt (Achtung: rein sprachlich betrachtet doch ein waschechtes Neutrum) kein Egoist und Despot gewesen ist.

Grünanlagen und Schloßparks mit dem Namen Herrengarten gibt es auch in Hannover, Brixen und Siegen;  und in Darmstadt wiederum auch einen Herrngarten. Bestimmte Straßen in Mainz, Friedberg und Usingen hingegen heißen wiederum Herrengarten. Man wird noch andere Beispiele finden können. Als Fazit bleibt jedoch: Man kann mit diebischem Spaß argumentieren ob Leffel oder Löffel, Verständlichkeit gegen Lokalkolorit aufwiegen und es nach eigenem Geschmack drehen und wenden, ganz wie man will. Und das Beste daran ist: Jeder hat ein bisschen Recht. Vielleicht ist es am einfachsten, die Schreibweise des Parknamens so tolerant zu nehmen, wie es jahrhundertelang gängige Praxis war. (ak)